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(3/3) EXIST-Gründerstipendium Teil 3: Die Kuh melken, solange sie Milch gibt

Wir sind jung und brauchen das Geld – Leben und Arbeiten mit dem EXIST-Gründerstipendium

Ein Jahr EXIST-Stipedium liegen hinter uns. Um mit Würde Tschüss sagen zu können, möchten wir unser angehäuftes Wissen in unserer Reihe „Wir sind jung und brauchen das Geld – Leben und Arbeiten mit dem Exist-Gründerstipendium“ teilen.

Teil 1: Ohne Moos nix los – eignet sich EXIST für uns?
Teil 2: Das überzeugende Ideenpapier
Teil 3: Die Kuh melken, solange sie Milch gibt: EXIST richtig nutzen

Nachdem ihr eure Zusage erhalten, euer neues Büro bezogen und euch mit euren Flurkollegen bekannt gemacht habt, geht es tatsächlich ans Arbeiten.
Ihr habt nun ein Jahr Zeit, 30.000 Euro Sachmittel- und 5.000 Euro Coachingbudget rauszuhauen. Ihr verwaltet das Geld allerdings nicht selbst, sondern die Uni. Deshalb müsst ihr alles beantragen und absegnen lassen und erst dann wird bezahlt.

Im ersten Monat ist der erste Meilenstein fällig: man muss seinen Coaching- und Sachmittelplan einreichen und von Jülich genehmigen lassen. Man sollte also recht früh die Ausgaben genau planen. Es ist aber nicht schlimm, wenn sich dann doch was ändert im Laufe des Jahres, größere Ausgaben sollten dennoch besser mit Jülich abgesprochen sein.

Es gibt einen ganzen Katalog, für was man das Geld ausgeben kann oder auch nicht. Der Tischkicker ist leider nicht drin, es sei denn, die Unternehmung zielt darauf, mit intelligenten Tischkickern motorisch eingeschränkte Kinder besser zu fördern.

Bei den ganzen Formalitäten sind häufig Landesgesetze und Richtlinien der jeweiligen Uni berührt. In Berlin kann es völlig anders sein, genau genommen kann es an anderen Unis im Land schon anders sein. Riesige Unterschiede sind aber eher nicht zu erwarten.

Folgende Szenarien werden euch öfters begegnen:

a) Ihr wollt etwas kaufen, zum Beispiel einen Locher. Prinzipiell gilt: Ihr müsst für ALLES mindestens zwei weitere Angebote einholen. Die müssen entweder teurer oder qualitativ schlechter sein. Wenn sie günstiger sind, müsst ihr argumentieren, warum ihr das teurere Produkt haben wollt. Egal ob ihr einen 4,99 Euro Locher oder einen 20.000 Euro Hardware haben wollt, das Angebotgebot gilt überall! Es gibt prinizipiell verschiedene Stufen, ab denen verschiedene Anforderungen an die Vergabe gestellt werden und wie die Angebote eingeholt werden müssen.
Wichtig ist hier, die Rechnungen + Angebote nicht nur einmal für das Sekretariat ausdrucken, sondern auch für eure Ordner. Den ganzen Papierkram solltet ihr für mindestens 10 Jahre aufbewahren.

b) Dienstreiseantrag und Reisekostenabrechnung
Ihr wollt eine Messe oder eine andere Veranstaltung weiter weg besuchen? Zunächst mal: Dienstreiseantrag ausdrucken, ausfüllen und vom Sekretariat absegnen lassen. Und wieder nicht vergessen, diesen auch für eure Ordner auszudrucken!
Hinterher wollt ihr Fahrtgeld, Bahntickets oder Hotelreservierungen abbuchen? Auch hierfür gibt es natürlich ein Formular. Ausdrucken, ausfüllen und ebenfalls im Sekretariat abgeben.

c) Ihr wollt etwas anders abrechnen, als vorgesehen
Im großen Paragrafen-Dschungel der EXIST-Förderrichtlinien steht viel drin. Mit der richtigen Argumentation ist nichts unmöglich.
Auch hier lohnt sich der Austausch mit anderen EXISTlern! Die haben eventuell dieselben Probleme wie ihr und haben vielleicht schon eine Lösung gefunden oder aber kennen jemanden, der jemanden kennt usw. Weil es im Exist keine Fristen gibt und das Stipendium das ganze Jahr über beginnen kann, habt ihr die unterschiedlichsten Kollegen: Manche sind euch einen Monat im Programm vorraus, andere vielleicht sogar schon 5 und wieder andere sind vielleicht schon fast fertig. Aber alle haben dasselbe durchgemacht wie ihr und standen vor denselben Herausforderungen!
Wir sind regelmäßig mit den anderen Existlern Mittagessen gegangen und haben uns gemeinsam zum Austausch getroffen.

Die über den Förderzeitraum gekaufte Hardware ist Eigentum der Uni. Kauft ihr die Ware rechtzeitig, hat sie sich bis Laufzeitende soweit abgeschrieben, dass ihr sie vielleicht behalten dürft. Teure Hardware rechtzeitig im ersten Quartal anschaffen!

Die EXIST-Logos

Das Auge isst mit und zwar nicht nur beim Essen. Ihr erhaltet einen Haufen Logos, die überall drauf müssen. Das ist zwar mühsam, sieht aber halt auch gleich mal nach was aus:

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Sieht gleich viel professioneller aus!

Es gibt gewisse Regeln, wann welches Logo wie benutzt werden darf und muss.

Zusammenfassung TEIL 3:
Ihr erhaltet Steuergelder, welche eure Mitmenschen, Eltern, Freunde und womöglich sogar ihr hart erarbeitet haben. Also macht was draus! Mit der richtigen Argumentation und genug Willen ist alles möglich.
Super wichtig ist der Austausch mit anderen Existlern. Regelmäßige Treffen mit den Kollegen lösen oftmals Probleme, bevor sie entstehen.

Vielleicht habt ihr es ja geschafft, bereits erste Umsätze zu generieren und davon leben zu können. Wenn ihr davon noch weit entfernt seid, lohnt sich vielleicht eine Bewerbung für das Folgeprogramm Junge Innovatoren.
Wenn ihr bereits etwas vorweisen könnt, aber mehr Geld für Entwicklung, Wachstum usw. braucht, könnte ja eventuell ein Investor in Frage kommen.

Wie beim Gründerland Baden-Württemberg diskutiert, ist ein in die Pötte kommen in BW dank genug Fördermaßnahmen sehr gut möglich. Die anschließende Phase nennt sich „Death Valley“. Dieses tritt ein, wenn die Förderung zu Ende geht und das Tagesgeschäft langsam ins Rollen gerät, oder eben halt auch nicht.
Es gibt eine Menge Anleitungen zum Überleben des Death Valley im Internet und wir wünschen euch nur das allerbeste.

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Quelle: http://neverstop.co/wp-content/uploads/2014/04/New-Valley-of-Death.png

Wir stehen jetzt genau vor diesem Death Valley. Glücklicherweise läuft unser B2B-Geschäft langsam aber sicher an!

Durchhalten und optimistisch bleiben!

Wir hoffen, mit unserer Serie einen kleinen Einblick in das Leben und Arbeiten mit EXIST geben zu können und freuen uns, wenn ihr unseren Weg weiterhin verfolgt!