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(1/3) Wir sind jung und brauchen das Geld – Leben und Arbeiten mit dem EXIST-Gründerstipendium Teil 1: Ohne Moos nix los – eignet sich EXIST für uns?

Wir sind jung und brauchen das Geld – Leben und Arbeiten mit dem EXIST-Gründerstipendium

Ein Jahr EXIST-Stipedium liegen hinter uns. Um mit Würde Tschüss sagen zu können, möchten wir unser angehäuftes Wissen in unserer Reihe „Wir sind jung und brauchen das Geld – Leben und Arbeiten mit dem Exist-Gründerstipendium“ teilen.

Teil 1: Ohne Moos nix los – eignet sich EXIST für uns?
Teil 2: Das überzeugende Ideenpapier
Teil 3: Die Kuh melken, solange sie Milch gibt: EXIST richtig nutzen

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Was ist Exist überhaupt?

Unter dem Titel EXIST finden sich Programme zur Förderung des Gründergeistes in Universitäten. Weil Deutschlands Startup Szene international ein wenig hinkt, sollen mehr Studenten direkt aus der Uni heraus gründen.

EXIST bietet zwei Möglichkeiten der Förderung:

  1. Das Exist-Gründerstipendium. Die Dauer dieser Förderung beträgt ein Jahr. Dieses Stipendium haben wir erhalten und darüber berichten wir auch in diesem Artikel
  2. Der Exist-Forschungstransfer. Dieser "unterstützt herausragende forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit aufwändigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind" und geht über zwei Jahre.

Ziel des Stipendiums ist offiziell die Unterhaltsförderung zur Erstellung eines echten Business Plans.

Vorraussetzungen? Gibt es eine Menge. Hier eine kurze Übersicht:

  • Wissenschaftliche Ausgründung bedeutet, aus der Uni heraus. Es muss also eine wissenschaftliche Erkenntnis, zB. in Form einer Forschungsarbeit, vorliegen. Wir haben unseren Prof direkt als Gesellschafter mit ins Team geholt, er kann jetzt nicht mehr weglaufen ;)
  • Es werden ausschließlich Produktinnovationen oder innovative Dienstleistungen gefördert. Innovare = erneuern.
    Ein Gemüsestand an der nächsten Ecke kann sicherlich lukrativ und der Startstein für ein großes Gemüseimperium werden, wirklich neu und/oder wissenschaftlich ausgearbeitet ist daran aber eher weniger.
  • Das ideale Team besteht aus drei Personen, die schon mal miteinander gearbeitet haben und sich außerhalb vom Arbeiten miteinander verstehen.
  • Es muss ein 20-30 seitiger Businessplan aka Ideenpapier vorliegen. Komplett. Mit Wettbewerbsanalyse, Finanzplanung über die nächsten 3 Jahre, Marktpotenzial und Erfolgsaussichten. Natürlich zieht man sich v.a. viele der Zahlen frei erfunden aus der Nase. Anhand eines solches Schriftstücks wird aber ersichtlich, ob man sich ernsthaft Gedanken gemacht hat und diese Förderung und damit das Unternehmen auch wirklich will.

Ihr solltet euch im Klaren darüber sein, dass eine Menge Papier auf euch zu kommt (eine Minute des Schweigens für all die Bäume, die wegen uns dran glauben mussten). Aus unserer Sicht war es das absolut wert. Wir hatte ein Jahr, um uns zu positionieren und herauszufinden, wo genau wir hinwollen und wie wir da hinkommen wollen. Hätten wir während dieser Zeit auch noch Geld reinbringen oder einen Nebenjob ausüben müssen, wäre das sicherlich anders gelaufen.

Wenn ihr einen universitären Background habt oder gerade fertig mit dem Studieren seid, lohnt sich EXIST auf jeden Fall. Ihr habt Zeit, ihr habt Geld und könnt euch voll und ganz eurer Idee widmen.
Wenn ihr bereits in der Industrie gearbeitet und gutes Geld verdient habt, wird euch das Gehalt vermutlich sehr wenig vorkommen. Wenn ihr schon Familie habt, kann es richtig hart werden, allerdings gibt es hier extra Unterstützung.
Wir zB. hatten alle drei keine Verpflichtungen, nichts zu verlieren und vorher nie "richtig" gearbeitet, weswegen uns die EXIST-Zeit sehr paradiesisch erschien.

WICHTIG: Du kannst lesen? Super! Denn EXIST bedeutet erstmal Fleißarbeit. Auch wenn du in unserer Reihe und auf anderen Seiten tolle Zusammenfassungen findest, solltest du dir gemeinsam mit deinen Teammitgliedern sämtliche Förderrichtlinien genau durchlesen.

Vorteile des EXIST-Gründerstipendiums:
  • Sachmittel bis 30.000 Euro, Coachingbudget bis 5.000 Euro, monatliches Grund-Gehalt für alle drei Gründer (ein Student kann auch dabei sein, bekommt allerdings weniger); alles für jeweils ein Jahr
  • Universitärer Flair bringt Kreativität und Frische in den Workflow
  • Regelmäßig kann man sich an neuen Ersties ergötzen
  • Günstiges Mensa Essen
  • Büro an der Universität
  • Zeit und Sicherheit zur Selbstfindung und Positionierung der Unternehmung, weil sicheres Gehalt vorhanden
Nachteile des EXIST-Gründerstipendiums:
  • Mensa Essen
  • Papierkram. Soooo viel Papierkram!
  • Man gewöhnt sich daran, sicheres Gehalt und Sachmittel zu haben.

TIPP 1:
Was uns am meisten geholfen hat war der Austausch von Gründern, welche bereits im EXIST drin oder wieder raus sind. Die können euch oft besser als das Internet sagen, ob ihr bereit für eine Bewerbung seid. Andere müssen nur einen Schritt vor dir sein, um von ihnen lernen zu können.

Zusammenfassung Teil 1:

EXIST = Stipendien für wissenschaftliche Ausgründungen, initiiert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und vom europäischen Sozialfonds

Für die Zeit bis zur Gründung ideal, weil in dieser Phase Zeit für Kreativität gefragt ist. Diese ist hier aufgrund des gesicherten Lebensunterhaltes für 1 Jahr vorhanden. Sobald das Tagesgeschäft aufgenommen werden kann, zieht der Studentenflow ein wenig runter, aber dann ist das Jahr ja sowieso rum.

Viel Papierkram, dafür auch viel Geld, Möglichkeiten und Freiheit.

Lesen ist das A und O. Seid euch im Klaren über die Förderrichtlinien und die Anforderungen, die eure Bewerbung erfüllen muss. Sprecht früh mit euren Fördernetzwerken (bei uns die TTI GmbH 😘), die euch sicher gerne helfen werden und mit vielen Vorlagen den Prozess beschleunigen können.

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